Wenn Touristenhochburgen in der Stille verweilen und menschenleer sind, kann man versteckten Schönheiten begegnen – der alten Dame mit dem schüchternen silbrig getigerten Mischling aus dem Tierheim,

– den einsamen Pfaden auf den Wendelstein, wo nackte Baumstümpfe hell glänzend von Tau, frisch gefällt von unbedachter Menschenhand noch leise vor sich hin wimmern und den hundert Jahren, in denen sie zwei Kriege überstanden, nachtrauern,

– einigen wenigen Menschen auf öffentlichen Wegen, die alle freundlich lächelnd grüßen trotz Pandemie,

– dem verlassen wirkenden Dorfdampfbad, vor dem ein einsamer Porsche steht und den nicht mehr erreichbaren Eintrittspreisen im Lockdown nachtrauert, während der glitzernde Wasserfall auf der Bergseite munter sprudeln ungehindert weiter sein plätscherndes Liedlein singt, während er lieblich durch drei türkisfarbene Natursteinbecken von des Berges Höhe fällt,

– der saubersten öffentlichen Toilette in ganz Deutschland, gleich bei der Touristeninfo, die sogar sonntäglich geöffnet ist für dringende Bedürfnisse, –

– dem stillschweigenden Schwebelift im Urlaub, der sich über wenige Touristen, die dort munter bergauf skiwandern oder uns beiden, die wir mit Sportschuhen durch den Schnee hüpfen und mit den wenigen Kindern, deren Väter die ‘Schlitten herausgeholt haben, um die freie Abfahrt zu genießen, um die Wette jubeln und jauchzen. –

Der Berg atmet auf, er hat Sonntagslaune und wir beschließen, auf jeden Fall bald wiederzukommen.

Anina Toskani